28. August 2020

Das Drama der Kinderlosigkeit – vom Mittelalter bis heute

Die Braunschweiger Mediävistin Regina Toepfer untersucht in ihrem neuen Buch, wie alte Denkmuster bis heute weiterwirken.

Der dynastische Druck, Nachkommen zu zeugen, war im Mittelalter eminent. Unter bestimmten Umständen war aber auch Kinderlosigkeit hoch angesehen. Wie mittelalterliche Denkmuster unsere Sicht auf erhoffte Elternschaft noch heute prägen und wo sie sich unterscheiden, untersucht die Braunschweiger Mediävistin Regina Toepfer in ihrem Buch „Kinderlosigkeit – Ersehnte, verweigerte und bereute Elternschaft im Mittelalter“. Florian Arnold sprach mit ihr.

Warum haben Sie das Thema Kinderlosigkeit aufgegriffen?

Es spielt in der öffentlichen Diskussion und im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle – zum einen die ungewollte Kinderlosigkeit im Kontext mit der Reproduktionsmedizin. Aber auch die gewollte Kinderlosigkeit wird oft problematisiert mit Blick auf die Geburtenentwicklung. Als Mediävistin, die sich für kulturhistorische Perspektiven interessiert, kam mir die Idee, ausgehend von der aktuellen Diskussion zu untersuchen, wie das Thema im Mittelalter behandelt wird, welche Kontinuitäten und welche Unterschiede es gibt. Ich bin in der mittelalterlichen Literatur überreichlich fündig geworden.

Sie schreiben, dass die mittelalterliche Sicht auf das Thema Kinderlosigkeit unser Denken noch heute beeinflusst – inwiefern?

Unser Blick ist heute auf die Reproduktionsmedizin gerichtet. Wenn ein Paar keine Kinder bekommt, heißt es, geht doch zu einem Kinderwunschzentrum und lasst euch helfen. Technologisch gibt es Fortschritte. Aber das grundsätzliche Vertrauen darauf, dass eine höhere Instanz uns helfen kann, ist ein Denkmuster aus dem Alten Testament. Die Kontinuität lässt sich erklären mit der langen Tradition von Erzählungen über Geburtswunder. Der Glaube, dass einem ein Kind geschenkt werden kann, wenn man sich nur recht darum bemüht und die richtigen Schritte vollzieht, ist uralt. Wenn man sich übrigens mal anschaut, wie oft reproduktionsmedizinische Verfahren glücken, ist die Rate gar nicht so hoch.

Im Mittelalter gab es die dynastische Pflicht, Nachkommen zu zeugen. Speist sich die Erwartung der Gesellschaft und des Staates an Paare, Kinder zu bekommen, noch aus dieser Wurzel?

Bei Hochadligen war die Erwartung, das Geschlecht zu erhalten, sehr hoch. Dazu gibt es auch die meisten Quellen, über die einfache Bevölkerung wissen wir wenig. Heute sind es ökonomische Gründe wie die Sicherung des Rentensystems, die einen gesellschaftlichen Druck erzeugen, Kinder zu bekommen. Aber die individuelle Motivation ist ja eine ganz andere. Da spielen Vorstellungen von Lebenssinn und persönlicher Erfüllung eine Rolle. Und die gehen zurück auf eine Umprägung von Argumentationsmustern im 16. Jahrhundert. Die Reformation setzte die Erfüllung in der Partnerschaft gleich mit dem Glück, Kinder zu bekommen. Eheglück wurde zum Elternglück.


Kinderkriegen und das Mittelalter

Im Mittelalter waren doppelt so viele Paare kinderlos wie heute – und was Luther mit der Idee der Fruchtbarkeit zu tun hat: Viele alte Muster vom Kinderkriegen prägen immer noch unser Denken

Ein neues Buch zeigt, wie die Menschen im Mittelalter mit ersehnter, verweigerter und bereuter Elternschaft umgingen. Dabei kommen auch zur Sprache: Keuschheit, die Sexualität von Hexen und handfeste Sterilitätsprüfungen bei Männern vor Gericht.


18. August 2020

»Oben standen stets die Weißen«

SPIEGEL-Gespräch: Der Hamburger Soziologe Wulf D. Hund erklärt, warum die Einteilung von Menschen nach Hautfarben ein Erbe der Aufklärung ist – und wie tief der Rassismus in unserem Denken wurzelt.


4. August 2020

Tiere essen – dürfen wir das?

„Was für ein kluges Buch! Wenn Friederike Schmitz empfiehlt, anhand von Gefühlen die Urteile des Verstandes zu überprüfen, fordert sie nicht nur unser Hirn, sondern auch unser Herz heraus.”
– Karen Duve, Schriftstellerin, Autorin von „Anständig essen“


29. Juni 2020

Besondere Empfehlung im Buch Markt und in der WELT

Das Buch Markt Magazin weist mit einer besonderen Empfehlung unter den Sachbüchern des Monats auf unser Werk hin:
Reinhart Meyer-Kalkus: Geschichte der literarischen Vortragskunst, 2 Bde.

“Das opus magnum von Meyer-Kalkus ist daher auch ein Buch zur Krise der jüngeren Zeit: dem Verlust der körperlichen Begegnung.” (Horst Bredekamp)


16. Juni 2020

Paradise Lost? Der Einstieg in die famose Literatur der britischen Aussteiger

Die lange erwartete „Kleine Englische Literaturgeschichte“ des Anglisten Christoph Heyl ist nun erschienen. Verlässliches Grundwissen, verpackt in eine Unzahl von Geschichten über Autor*innen, Bücher und geschichtsträchtige Orte überall auf den Britischen Inseln. Mit leichter Hand, und gespickt mit eigenen Schwarz-Weiß-Fotos, vermittelt der Autor (Träger des Lehrpreises der Universität Duisburg-Essen) das wirklich Wichtige über die englische Literatur und Kultur. In seinem Vorwort beschreibt er sein Vorhaben.


15. Juni 2020

Zum 100. Todestag von Max Weber

Am 14. Juni 2020 jährte sich der 100. Todestag von Max Weber. Aus diesem Anlass wurde das Max Weber-Handbuch durchgesehen, neu überarbeitet und um weitere Einträge ergänzt.


8. Juni 2020

Judith Siegmund: Zweck und Zweckfreiheit

Der Thomasius Club im Gespräch mit Autorin Judith Siegmund: Über die Funktionen von Künsten in Gesellschaften und welche Funktionen Künsten aus philosophischer und soziologischer Perspektive heute zukommen.


6. Mai 2020

Sex, Drugs und Heldentum. Niels Penke entlüftet Ernst Jünger

Rezension unseres Buches “Jünger und die Folgen” im Tagesspiegel

Ernst Jünger wird gerne als Militarist missverstanden. Tatsächlich ist er ein Vorläufer des heutigen, post-heroischen Zeitalters.
von Konstantin Sakkas


7. April 2020

Hölderlin 2020

2016 erschien bei J.B.Metzler das Buch des renommierten Londoner Germanisten Rüdiger Görner „Hölderlin und die Folgen“. Er geht von Hölderlins Selbsteinschätzung  „Aber sie können mich nicht brauchen“ aus – und beweist das Gegenteil, auch für unsere Zeit. Sein Buch ist als eine sehr besondere Einführung in Hölderlin zu lesen.

Aus der Rezension der Website „Die Kolumnisten“:
„Es erscheinen noch schöne Bücher, solche, bei denen man gern über das glatte Papier streicht, bei denen das Umblättern ein ästhetisches Erlebnis ist… So schön, wie das Buch ist, so angenehm ist der Stil des Autors. Görner versteht es, auf einem anspruchsvollen Niveau zu schreiben und dennoch eine emphatische Atmosphäre zu erzeugen, in der der Leser zunehmend ein Verständnis für den Dichter und seine Dichtung gewinnt.“

In Kürze erscheint:
Johann Kreuzer (Hg.), Hölderlin-Handbuch, 2., erweiterte Auflage und Michael Franz, „… und anderes denk in anderer Zeit …“ Hölderlins letzte Gedanken zu Recht und Politik in den „Pindarfragmenten“


Alexander von Humboldt-Handbuch

331 Seiten
Format 16,80 x 24,00 cm
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Literatur / Religion

304 Seiten
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Philosophie des Mittelalters

300 Seiten
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Jugendsprache

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Format 15,50 x 23,50 cm
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Handbuch Philosophie der Kindheit

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Weimarer Klassik

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Deutungen der Gegenwart

274 Seiten
Format 15,50 x 23,50 cm
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Mobile Preußen

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Wittgenstein und die Folgen

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Format 12,70 x 19,00 cm
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Fighting As Real As It Gets

208 Seiten
Format 15,50 x 23,50 cm
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Haltung finden

106 Seiten
Format 12,70 x 20,30 cm
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