1. Woche: Initialen und Verlagsgründung

"J. B. Metzler'sche Verlagsbuchhandlung" lautet der vollständige Verlagsname, wobei die Initialen für "Johann Benedict" stehen. War das der Verlagsgründer? 1682 wurde der Metzler Verlag von August Metzler (1654-1713) gegründet. Johann Benedict Metzler (1696-1754), der Namensgeber des Verlages, übernahm 1718 das väterliche Geschäft und sorgte bis zu seinem Tode für das steigende Ansehen des Verlages. Bedeutende Namen begannen in der Autorenliste zu erscheinen: Der Theologe Johann Albrecht Bengel und der Staatsrechtslehrer Johann Jacob Moser veröffentlichten bedeutende Schriften, 1728 brachte der Verlag ein Gebetbuch aus Jacob Böhmes Schriften heraus, 1749 reihte sich Gotthold Ephraim Lessing unter die Autoren Metzlers ein. Um in einer Stadt einen eigenen Betrieb führen zu dürfen, war es notwendig, das Bürgerrecht dieser Stadt zu besitzen. Falls man nicht schon seit der Geburt in dessen Besitz war, konnte man es sich erkaufen oder durch Heirat mit einer Bürgersfrau erwerben. August Metzler erlangte schon durch das Eheversprechen mit der Tochter des Hofküfers Seitz, Anna Maria Seitz, am 22. Juni 1682 das Bürgerrecht. Der Eintrag im Stuttgarter Bürgerbuch lautet: "Augustin Metzler, Buchbindergesell, gebührtig aus Cranzahl in Sachßen, so sich mit Matthiae Seitzen, Hofküeffers Tochter Verheurathet, Ist zu Burger angenommen; hatt zugleich sein Mannrecht und Ledig Zehlung der Leibaigenschaft eingelegt." Sie heirateten am 8. August 1682.

 

2. Woche: Pietismus in Süddeutschland

Pietistische Gebrauchsliteratur und religiöse Ratgeber prägten das Verlagsprofil im 18. Jahrhundert und machten den Verlag zum erfolgreichsten Herausgeber pietistischer Literatur in Süddeutschland. Was genau bezeichnet der Pietismus, und inwiefern war er für die Weiterentwicklung von Literatur wichtig? Der Pietismus (zu lat. pius = fromm) war eine gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstandene religiöse Bewegung des deutschen Protestantismus. Anstelle von Institutionalismus und Dogmatismus der altprotestantischen Orthodoxie forderte er eine individualistische und subjektivistische Frömmigkeit. Diese Bewegung prägte die Entwicklung der Literatur in geistiger und sprachlicher Hinsicht: Der im Pietismus geweckte Subjektivismus, die schwärmerische Hingabe an das eigene Gefühl, die Erziehung zu Selbstbeobachtung und -analyse sowie die Ausbildung eines verfeinerten psychologischen Deutungsvermögens waren Voraussetzung für die Entfaltung des neuzeitlichen Individualismus. Leider erschwerte der Pietismus auch die Verlagsarbeit J.B. Metzlers, dessen Verlagstätigkeit in die Blütezeit des Pietismus, vom Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts, fiel. Poetische Lektüre wurde als nutzlos betrachtet, Frömmigkeit war oberstes Gebot und auch des Lesens und Schreibens Unkundige gelangten nach pietistischer Vorstellung in den Himmel. Selbst Choralgesang und Kirchenmusik galten manchen Pietisten als überflüssig-sündhafte Lustbarkeit vor Gott, weltliche Lektüre wurde abgelehnt und auch für erbauliche Schriften galt Bengels Lebensregel der »rechten Sparsamkeit beim Bücherkaufen«.

 

3. Woche: Johann Jakob Moser

Johann Jakob Moser (1701-1785) zählt noch heute zu den bedeutendsten deutschen Staats- und Völkerrechtlern. Die drei großen Werkbereiche Mosers - Recht, Württemberg und Pietismus - waren alle in Metzlers Verlagsprogramm vertreten.
In seinem umfangreichen Werk (ca. 500 Bände) stellte er das positiv geltende Staats- und Völkerrecht dar, welches nicht auf einem naturrechtlich-philosophischen System beruht, sondern in Gesetzen, Dokumenten, Akten, gerichtlichen Entscheidungen, etc. seine Berechtigung findet. Als Rechtskonsulent der württembergischen Landstände, wurde er wegen seiner Opposition gegen Herzog Carl Eugen ohne Gerichtsurteil auf dem Hohentwiel 1759-64 eingesperrt. Während seiner fünfjährigen Isolationshaft verfasste der tiefgläubige Moser viele geistliche Lieder. Seine "Gesammelten Lieder" (1766) und Werke wie "Neueste kleine Staatsschriften" (1768) oder "Rechte der Menschheit in Religionssachen, im Natur- und gesellschaftlichen Stande" (1782) erschienen im Metzler Verlag.

 

4. Woche: Lesegesellschaft

1784 gründete J. B. Metzler der Jüngere (1727-1796) in seinem Hause ein "Lesekabinett" und übergab dessen Führung 1786 einer Gruppe von Honoratioren. Metzler lieferte mit zehn Prozent Rabatt weiterhin alle benötigten Bücher und Zeitschriften und stellte das ganze zweite Stockwerk seines Hauses Ecke Calwer-/ Büchsenstraße samt Möbeln zur Verfügung. Diese Lesegesellschaft entwickelte rege kulturelle Aktivitäten weit über die Lektüre hinaus; öffentliche Kunstversammlungen und literarische Vorlesungen fanden statt, monatlich wurde ein Konzert gegeben, und für Frauen hielt ein Professor Vorlesungen zur Moral. 1786 veröffentlichte die Gesellschaft ihren ersten, 1795 ihren zweiten gedruckten Katalog. Im letzteren waren 400 Werke aufgeführt, darunter Schriften von Lessing, Wieland, Goethe und Schiller, ferner zwölf "gelehrte" und 31 politische Zeitschriften, wobei sich unter diesen auch französische, englische und italienische befanden. Lesegesellschaften gab es vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Während sich im 17. Jahrhundert das gehobene Bürgertum aus literarischem Interesse zu Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchlektüre zusammenfand, verlegte sich der Anspruch im 18. Jahrhundert auf die Förderung einer deutschen, protestantischen Kultur. Im ausgehenden 18. Jahrhundert gehörten zu den Mitgliedern eines Lesezirkels Bürger der Mittelschicht und der Beamtenadel, die ein hohes Bildungsinteresse besaßen.

 

5. Woche: Buchhandel - ein Tauschhandel

Der Buchhandel wurde bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ohne Geldverkehr betrieben - wie funktionierte das? Auf den Messen wurden die eigenen neuen Verlagsbücher gegen die Novitäten der Kollegen "changiert", getauscht. Wer zu wenig Ware mitgebracht hatte, seine "Einkäufe" somit nicht decken konnte, durfte damit rechnen, dass jeder Geschäftsfreund ihm seine Verlagsartikel auf zukünftigen Ausgleich hin "verschrieb". Dies war eine recht rückständige Handelsform, bei der allerdings das Lesepublikum den unschätzbaren Vorteil hatte, dass jede auf den Messen vertretene Neuerscheinung ohne Rücksicht auf den Zoll- und Währungsdschungel im ganzen Reich zu haben war. Der Verleger hatte nach der Messe die Aufgabe - nun gegen Geld - dem Leser die Bücher zu verkaufen. Leider sorgten die steigende Flut an Büchern und ein sich wandelnder Lesegeschmack für eine Entwertung der gelagerten Bücher. Mit dem Nettohandel vollzog der deutsche Buchhandel den Übergang von der Natural- zur Geldwirtschaft: Es entstand das moderne kapitalistische
Konkurrenzdenken im Buchhandel. Die erste Metzlersche Nettofirma bestand nur bis 1768, ein weiterer 1789 unternommener Versuch wurde bereits 1792 wieder abgebrochen.

 

6. Woche: Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

"Die Menge auf etwas aufmerksam machen heißt: dem gesunden Menschenverstand auf die Spur zu helfen." Lessing, "Beweis des Geistes und der Kraft" Gotthold Ephraim Lessing, der wichtigste Vertreter der Aufklärung in Deutschland, veröffentlichte drei frühe Werke bei Metzler: 1749 die Verserzählung "Eremit", 1750 "Die Gefangenen" und 1751 die "Kleinigkeiten". Außerdem erschien unter seiner Regie 1749 die erste deutsche Theaterzeitschrift: "Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters". Die vier publizierten Hefte enthielten u.a. Abhandlungen über Autoren, Übersetzungen wichtiger theoretisch-kritischer Abhandlungen, Theaternachrichten aus Paris, Berlin, Dresden und Stuttgart. Lessing verfasste mit "Miß Sara Sampson" das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel, das am 10.07.1755 in Frankfurt (Oder) uraufgeführt und mit Jubel aufgenommen wurde. Das bürgerliche Trauerspiel thematisiert das tragische Schicksal von Menschen bürgerlichen Standes. Da bis zu diesem Zeitpunkt nur die Schicksale höherer Standespersonen in der Tragödie dargestellt worden waren, spiegelte diese Entwicklung die Emanzipation des Bürgertums wider.

 

7. Woche: Karlsschule

Das geistige Leben und die literarische Kultur Württembergs wurden in hohem Maße durch die Gründung der Karlsschule 1745 durch Herzog Carl Eugen in Stuttgart beeinflusst. Durch die Karlsschule entwickelte sich ein neues kulturelles Klima im Herzogtum, eine weltliche Geisteselite und ein modernes Lesepublikum konstituierten sich. Eine große Zahl von Lehrern und ehemaligen Zöglingen wie Johann Friedrich Le Bret, Jakob Friedrich Autenrieth oder Johann Christoph Friedrich Haug gehörten zu den Autoren des Metzler Verlages. Die Schule war zugleich Elementarschule und Gymnasium, Universität und Handelsschule, Kunst- und Militärakademie, Schule für Musik und Gartenbau. Als Eliteschule für Söhne aus angesehenen württembergischen Familien sollte sie die künftige Führungselite heranbilden und zum Gehorsam dem Hof gegenüber erziehen. Autoritäre Erziehungsmethoden, Uniformzwang und Perückentragen erzeugten jedoch Widerstand unter den Schülern, und ihr berühmtester Zögling Friedrich Schiller entfloh bei Nacht und Nebel. Später räumte er folgendes ein: "Außer den beträchtlichen Revenuen, welche Stuttgart daraus zog, hat dieses Institut ungemein viel Kenntnisse, artistisches und wissenschaftliches Interesse unter den hiesigen

 

8. Woche: Sammlung griechischer und lateinischer Klassiker

Im 19. Jahrhundert spielte klassische Bildung eine wichtige Rolle, und somit fiel die Sammlung der Übersetzungen griechischer und lateinischer Klassiker, die 1827 im Metzler Verlag begann, auf fruchtbaren Boden. Über Jahrzehnte wurden Tausende von Exemplaren gedruckt. Diese monumentale Bibliothek, die 749 ziegelrote Bändchen umfasste, wurde in Übersetzungen unter Assistenz von Pfarrern und Gymnasiallehrern, Forstmeistern und Apothekern von Gustav Schwab, G.L.F. Tafel und C.N. Osiander herausgegeben. 90 antike Autoren sind in der Sammlung vertreten - neben Aischylos und Aristoteles, Caesar und Cicero, Homer und Livius auch entlegene Namen wie
Ammian, Cebes oder Parthenius. Die Übersetzungsbibliothek wurde auf der Königschen Schnellpresse, die der damalige Verleger Heinrich Erhard für den Metzler Verlag erworben hatte, in hohen Auflagenzahlen gedruckt. "Die schönsten Sagen des klassischen Alterthums", eine Sammlung nachgedichteter antiker Mythen von Gustav Schwab, ist heute noch ein Klassiker.

 

9. Woche: Miguel de Cervantes Saavedra (1547-1616) / William Shakespeare (1564-1616)

Die erste vollständige Ausgabe von Cervantes' Novellen und Romanen, übersetzt von Adalbert Keller und Friedrich Notter, erschien im 19. Jahrhundert (1839-1841) bei Metzler. Cervantes ist vor allem durch seinen Roman "Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha" bekannt geworden. Shakespeares Schauspiele wurden von Johann Heinrich Voß und seinen Söhnen Abraham und Heinrich Voß übersetzt und erschienen in neun Bänden 1822-29 im Metzler Verlag. Häufig wird fälschlicherweise behauptet, dass Cervantes und Shakespeare am selben Tag starben, nämlich am 23. April 1616. Sie starben zwar am selben Datum, jedoch nicht am selben Tag. Der Grund ist folgender: Als Spanien 1582 den gregorianischen Kalender einführte, war in England immer noch der julianische Kalender maßgebend. Cervantes starb nach gregorianischem Kalender am 23. April 1616, und da dieser dem julianischen Kalender um 10 Tage voraus war, lebte Shakespeare zehn Tage länger - und starb schließlich (dem gregorianischen Kalender zufolge) am 3. Mai 1616. England führte den gregorianischen Kalender erst im Jahr 1752 ein. Dank diesem historischen Hintergrund ist der 23. April heute UNESCO-Welttag des Buches und des Urheberrechts.

 

10. Woche: Johann Heinrich Voss (1751-1826)

Johann Heinrich Voss studierte Theologie, Philosophie und alte Sprachen in Göttingen. Er war Mitbegründer des Bundes Göttinger Hain, in dem sich Dichter wie Ludwig Christoph Heinrich Hölty, Heinrich Christian Boie oder Matthias Claudius gegen den Rationalismus der Aufklärungszeit wandten. Mit seinen Übersetzungen und Nachdichtungen antiker Texte von Vergil, Homer, Horaz, Ovid, Aristophanes und Hesiod ermöglichte Heinrich Voss seinen Zeitgenossen einen Zugang zur antiken Welt. Voss führt auch die antike Gattung der Hexameteridylle in die deutsche Literatur ein. Am berühmtesten und bekanntesten wurde seine Übersetzung der Odyssee, die 1781 erschien und deren einprägsame bildhafte Sprache Generationen deutscher Leser mit Homer vertraut machte. Die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht alljährlich im Andenken an die übersetzerische Leistung von Johann-Heinrich-Voss den gleichnamigen Preis. "Ein Mann wie Voss wird übrigens so bald nicht wiederkommen. Es haben wenig Andere auf die höhere deutsche Cultur einen solchen Einfluß gehabt als er" (Goethe). Fast alle seine Spätwerke wie Voß gegen Perthes. Abweisung einer mystischen Injurienklage (1822), Antisymbolik (1826) oder Kritische Blätter nebst geographischen Abhandlungen (1828) sind im Metzler Verlag erschienen.

 

11. Woche: Verlagssignete

In seiner Geschichte bediente sich der Verlag einiger Signete. Im 18. Jahrhundert wurden zum ersten
Mal Bildsignete eingeführt. In der Mitte befindet sich ein zierlicher Buchsbaum vor einem höfisch anmutenden Parkprospekt, umrahmt von zwei geschweiften Buchsbäumen. Am Fuß ist das verschlungene Initialsignet mit der Devise "Semper flore novo" ("Immer in junger Blüte") zu sehen. Auf einem Kupferstichsignet mit dem Motto "Lux post tenebras" ("Licht nach der Dunkelheit") ist eine Wald-, Seen- und Wiesenlandschaft abgebildet. In der rechten und unteren Bildhälfte sind Accessoires der Buchherstellung angeordnet: Setzkasten, Holzschnittstöcke, eine Druckerpresse, ein beschwerter Papierballen. Mit diesem neuen Signet passte sich der Verlag dem Zeitgeschmack an und spielte mit seinem Motto auf die in Württemberg einziehende Aufklärung an. Auf dem nächsten Signet befindet sich eine Denksäule mit einem umkränzten Medaillon, das den Buchstaben "M" trägt. Daneben sitzt mit der Hand darauf weisend ein pummeliger Genius mit einem leeren Blatt. Das Signet verwies auf bürgerliche Gesittung und ist der Epoche des Biedermeier zuzuordnen. Das heutige Verlagssignet wurde 1948 von Walter Brudi entworfen. Es beinhaltet die Jahreszahl der Verlagsgründung und ein galoppierendes Pferd, das auch auf dem Stuttgarter Stadtwappen abgebildet ist.

 

12. Woche: Der erste neuzeitliche Roman

Der erste, in Württemberg erschienene "neuzeitliche" Roman, "Sonderbahre Begebenheiten zweyer weit und breit herumgewanderten Jungfern", eines der insgesamt nur fünfzehn im Jahre 1742 in Deutschland erschienenen Beispiele dieser Gattung wurde im Metzler Verlag veröffentlicht. Wie bei dem damals modischen Typus des moralischen Abenteuerromans üblich, war er ohne Nennung von Verfasser und Verleger erschienen. Er handelte von einer ungemein altklugen sechzehnjährigen Jungfer, die sich in ihren Hofmeister verliebt und mit diesem und einer Freundin nach Holland reist, um dort einen verstorbenen Onkel zu beerben. Auf dieser Fahrt häufen sich abenteuerliche Erlebnisse, vor allem in Wirtshäusern. Am Ende heiratet die Hauptperson den über Menschenfresser, Türken, Hurenkinder und sonstige Kuriositäten räsonnierenden Hofmeister, und die Freundin findet ihren schönen, reichen, edlen Adeligen. Die mehr als dürftige Handlung diente denn auch hauptsächlich zum Vehikel für locker gereihte moralische Betrachtungen und unmoralische Anekdoten. Die Mischung aus Derbheiten und Tugendpredigten lässt trotz der weiblichen Hauptfiguren kaum Bürgersfrauen und -töchter als mögliche Leserinnen vermuten.

 

13. Woche: Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)

Schwabens bedeutendster vorklassischer Dichter war neben Christoph Wieland Christian Friedrich Daniel Schubart. Er war Organist und Kapellmeister am württembergischen Hof in Ludwigsburg, wurde jedoch 1773 wegen seines zügellosen Lebens und seiner kritischen Äußerungen am Hof von Herzog Carl Eugen des Landes verwiesen. Als er in seiner 1774 gegründeten Zeitschrift "Teutsche Chronik" Kritik am Absolutismus übte und sich gegen die Geistlichkeit äußerte, wurde er für zehn Jahre auf der Bergfestung Hohenasperg eingesperrt. Die Festung Hohenasperg bei Ludwigsburg wurde von Herzog Carl Eugen zum Landesgefängnis für politische Gefangene ausgebaut. Während Preußen und andere deutsche Staaten im Zuge der Französischen Revolution ihre Ehrfurcht vor dem Monarchen nicht verloren, wollte das Bürgertum in Württemberg Generalstände bilden, um die Macht der Obrigkeit zu beschränken. Nach seiner Freilassung wurde Schubart Theaterdirektor am württembergischen Hof in Stuttgart.
Noch während seiner Gefangenschaft wurden Schubarts Gedichte und seine "Vaterländische Chronik", eine Fortsetzung der "Teutschen Chronik", in der Karlsschule gedruckt. Das wichtigste gemeinsame Unternehmen zwischen Schubart und Metzler war die Klopstockausgabe. Im gesamten deutschen Sprachraum war die Begierde des Publikums groß, endlich die bisher nur verstreut gedruckte Lyrik und Prosa des gefeierten "Messias"-Dichters gesammelt zu erhalten. Diese 1771 erschienene Sammlung war die erste eines "ausländischen" Autors in Württemberg. Im Heldengedicht "Der Messias", inspiriert von Miltons "Paradise Lost", wird in zwanzig Gesängen die Passion und Auferstehung Christi dargestellt. Beim Hören dieses religiösen Erbauungsbuches sollte der Leser seine Erweckung erleben. Die formale und sprachliche Gestaltung inspirierte viele zeitgenössische Dichter.

 

14. Woche: Friedrich Schiller (1759-1805)

Bis heute stellt sich die Frage, wer die "Räuber" verlegte, und es bleibt umstritten, ob dies Metzler war. Einerseits wird behauptet, Metzler habe den Druck der "Räuber" abgelehnt, weil er um sein Renommee als wichtigster Verleger des Landes fürchtete, nicht mit der Zensur aneinander geraten und die Gnade des Landesfürsten verlieren wollte. Hinzu kommt, dass Metzler keine eigene Druckerei besaß und als Verleger nie irgendwelche Rechte an diesem Schauspiel geltend machte. Andererseits erklärt eine Notiz in der "Gothaischen gelehrten Zeitung" vom 24.10.1781: "Das in der letzten Jubilatenmesse bey Metzlern in Stuttgardt herausgekommene Schauspiel, die Räuber, hat den Hrn. Regimentsdoctor Schiller zu Stuttgardt zum Verfasser." Es ist anzunehmen, dass Metzler nicht als Verleger im üblichen Sinne fungierte, sondern nur für den Vertrieb, zumindest außerhalb Württembergs, zuständig war. Am 13. Januar 1782 fand die Premiere der "Räuber" am Mannheimer Nationaltheater statt, und das Stück wurde mit begeistertem Jubel aufgenommen.

 

15. Woche: Verlagsprogramm im 18. Jahrhundert

In der zweiten Jahrhunderthälfte versuchte der Verlag, das erdrückende Gewicht der Theologie im Verlagsprogramm abzubauen. Den zweiten Rang in der Produktion nahm die Land- und Forstwirtschaft ein, einschließlich des Weinbaus, der Jagd und des allgemeinen Ökonomiewesens, denn wie in allen deutschen Staaten des 18. Jahrhunderts bildete der Agrarbereich die Grundlage des Wirtschaftslebens. Hierzu gehörten Werke wie das "Allgemeine oekonomische Forstmagazin" von Johann Friedrich Stahl (1763-1769) oder "Kurzer doch gründlicher Begriff des gesamten Feldbaus" von Balthasar Sprenger (1764). Die drittgrößte Gruppe bildete die Jurisprudenz mit Werken wie "Neues teutsches Staatsrecht" von Johann Jakob Moser (1761), und der vierte Schwerpunkt war Landeskunde und Landesgeschichte, einschließlich des Landesrechts, kurz: die "Wirtembergica". Es erschienen Schriften wie Fischers "Pragmatische Geschichte Württembergs" (1787) oder Schmidlins "Beyträge zur Geschichte des Herzogthums Wirtemberg" (1780). Natürlich erstreckte sich das breite Spektrum auch auf andere Bereiche wie Medizin ("Entwurf einer Abhandlung vom Herzen" von Gottlieb Jakob Planck, 1773), Philologie ("Grundregeln der deutschen Sprache" von Friedrich Georeg Fulda, 1778), Philosophie ("Elementa philosophiae contemplativae" von Gottfried Ploucquet, 1778) oder Reisebücher ("Reise um die Welt in den Jahren 1764 und 1765" von John Byron, 1769), jedoch gab es in diesen Bereichen nicht sehr viele Veröffentlichungen.

 

16. Woche: Charles Sealsfield (eigentlich: Karl Anton Postl, 1783-1864)

Im Metzler Verlag erschienen die gesammelten Werke von Charles Sealsfield, der in den 1840er Jahren als "greatest American author" ("Boston Daily Advertiser") bezeichnet wurde. Zu seinen berühmtesten Romanen gehören "Das Cajütenbuch oder Nationale Charakteristiken" (1841) oder "Der Legitime und die Republikaner" (1829). Karl Anton Postl alias Charles Sealsfield wurde 1783 in Südmähren geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie am Konvent des Kreuzherrenordens in Prag wurde er 1814 zum Priester geweiht und war Ordenssekretär. Wegen seiner aufklärerischen und liberalen Gesinnung emigrierte er 1823 in die Vereinigten Staaten, wo er das Pseudonym Charles Sealsfield annahm. In seinen historischen Abenteuerromanen und Reisebeschreibungen, die in Amerika angesiedelt sind, plädierte er für humane Bildung, eine liberale Republik und warnte vor den sozialen Folgen der Industrialisierung. Seine Schilderungen amerikanischer Verhältnisse und Landschaften waren in Europa sehr begehrt; bekannt ist das Werk "Die Vereinigten Staaten von Nordamerika nach ihren politischen, religiösen und gesellschaftlichen Verhältnissen betrachtet" (1827).

 

17. Woche: Josef Viktor von Scheffel (1826-1886)

Einer der erfolgreichsten und populärsten Autoren des Wilhelminischen Kaiserreiches, Josef Viktor von Scheffel, veröffentlichte u.a. seinen Versepos "Trompeter von Säkkingen" und den berühmten historischen Roman "Ekkehard" im Metzler Verlag. Der Roman behandelt das Leben des Mönches Ekkehard II. von St. Gallen, den die Herzogin Hadwig, Witwe des Herzogs Burchard II. von Schwaben, wegen seiner hohen Bildung als Privatlehrer einstellte. Er unterrichtete die selbstbewusste Herzogin in klassischer Sprache und las mit ihr Vergil und Horaz. Ekkeharts ungewöhnliche Laufbahn erregte natürlich das Interesse und die Phantasie seiner Mitbrüder in St. Gallen, die sich über mehrere Generationen immer ausgeschmücktere Anekdoten erzählten. Scheffel verfasste seinen Roman im wissenschaftlichen Stil, versah ihn mit Anmerkungen und Quellenbelegen und wollte durch die Verbindung von Geschichtsschreibung und Poesie selbst ein historisches Werk schaffen. Insbesondere nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) wurde "Ekkehard" zum Lieblingsbuch des deutschen Bürgertums und zum Kultbuch des wilhelminischen Zeitalters. Zum 200-jährigen Jubiläum widmete Scheffel dem Metzler Verlag folgendes Gedicht: Geschäftstreu und in Ehren Schon seit zweihundert Jahr; Solch Haus empfiehlt sich selber, Denn solch ein Fall ist rar. Was in der Väter Weise Schlicht vorwärts strebt, besteht. Derweil, was Schwindel gründet Wie Spreu im Wind verweht!

 

18. Woche: August Friedrich von Pauly (1796-1845)

Eines der wichtigsten Großwerke des Verlages ist die "Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft", die auch den Namen ihres Herausgebers August Friedrich von Pauly trägt. Die renommiertesten Fachgelehrten Deutschlands arbeiteten an dem Standardwerk der klassischen Philologie, das von 1839 bis 1852 erschien, mit. Das Lexikon, das vor allem Schülern und Lehrern als Hilfsmittel dienen sollte, behandelt die griechisch-römische Antike bis 476 sowie orientalische Randkulturen. 1890 begann Georg Wissowa mit der Herausgabe einer neu bearbeiteten Enzyklopädie. Das Projekt, das nach ursprünglicher Planung innerhalb von zehn Jahren abgeschlossen sein sollte, wurde erst 1980 fertig gestellt, umfasste insgesamt 84 Bände und wurde zum unentbehrlichen Standardwerk für alle, die sich mit der Antike befassen. Alle Artikel wurden von Fachexperten verfasst, wobei manche, wie zum Beispiel "Cicero als Politiker" von Matthias Gelzer schon legendär sind. Herausgeber waren neben Georg Wissowa Wilhelm Kroll (1906-1939), Karl Mittelhaus (1939-1946), Konrat Ziegler (1946-1974) und Hans Gärtner (1974-1980). Das Lexikon erschien zunächst im Metzler Verlag, später im Verlag Druckenmüller, und heute besitzt wieder der Metzler Verlag alle Rechte. Die Kurzfassung des Pauly-Wissowa, "Der Kleine Pauly", der nun im dtv-Verlag erhältlich ist, erschien zwischen 1964 und 1975 in fünf Bänden und widmet sich im Gegensatz zur Realenzyklopädie intensiver den Randgebieten der Klassischen Altertumswissenschaft wie dem Christentum, der Altorientalistik oder der Byzantinistik. Eine Neubearbeitung stellt "Der Neue Pauly" dar (19 Bände von 1996 bis 2003). Neben einem altertumswissenschaftlichen Teil, der 12 Bände umfasst, gibt es auch einen Teil zur Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, der systematisch die Rezeption der Antike in der Kunst, Literatur, Musik, Philosophie, aber auch in den Naturwissenschaften und im Recht bis hin zur Moderne sowie die Wissenschaftsgeschichte der klassischen Altertumswissenschaften aufzeigt. 2004 erschien der erste Supplementband, weitere sechs sind zum Teil lieferbar bzw. in Vorbereitung.

 

19. Woche: Joseph Görres (1776-1848)

Als Herausgeber des "Rheinischen Merkur" war Görres der bedeutendste publizistische Widersacher Napoleons und bereitete auch dem nationalen Gedanken den Weg. 1820 erschien "Teutschland und die Revolution", eine Kampfschrift, in welcher er sich gegen die damalige Politik aussprach und eine liberale Verfassung forderte. Daraufhin trieb ihn eine preußische Verhaftungsorder ins Exil. Er floh nach Aarau (Schweiz), wo er binnen eines Monats "Europa und die Revolution" (Metzler, 1821) verfasste, eine der großartigsten politischen Schriften der deutschen Literatur. Darin bezog er Stellung zu Staat und Kirche: Die Kirche sollte dem Staat nicht unterstellt sein. Geistesfreiheit und Glaube sollten geschützt werden. Die "wahre Befreyung von Europa" konnte für Görres erst dann eintreten, wenn "aus dem Congreß der Fürsten zugleich auch ein Congreß des Volkes und der Völker" entstehen würde. Im 19. Jahrhundert prägte Joseph Görres den Begriff "Volksbücher" als Bezeichnung für erzählende und lehrhafte Prosaschriften, zu denen mittelhochdeutsche Versromane wie "Tristan und Isolde" oder französische Ritterromane wie "Melusine" gehörten. Allerdings waren die Werke anfangs weniger für das Volk als für die Oberschicht bestimmt.

 

20. Woche: "Übersetzungsfabriken"

Das Übersetzungswesen begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine immer wichtigere Rolle zu spielen. Nur wenige Autoren wie z.B. Wilhelm Hauff oder Friedrich Notter und Gustav Pfizer, die für Metzler arbeiteten, waren in der Lage, anspruchsvolle Übersetzungen zu liefern. In der Regel bedurfte es für eine Übersetzung keiner hohen Investitionen, und Carl Theodor Griesinger dokumentierte: "Das Honorar war gering; alte Studenten, die für´s Geld schreiben, und Lieutenants, Hauptleute und sogar Obersten, die zu ihrer Gage sich noch ein kleines Taschengeld verdienen wollten, übersetzten ihm 3 Bände um einen Spottpreiß, was lag ihm daran, wie es übersetzt war, wenn`s nur gieng! In der Anzeige hieß es doch: übersetzt von dem durch seinen fließenden Styl und als Kenner der französischen Sprache längst bekannten ***." (Griesinger, "Silhouetten aus Schwaben", 1838)

 

21. Woche: Wilhelm Hauff (1802-1827)

1825 erschien bei Metzler der "Mährchen-Almanach auf das Jahr 1826, für Söhne und Töchter gebildeter Stände", welcher Märchen wie "Kalif Storch", "Die Geschichte vom kleinen Muck" oder das "Gespensterschiff" enthielt. Beeinflusst von den Geschichten aus "Tausendundeiner Nacht", Grimms Märchen und den französischen Feenmärchen bilden Hauffs Kunstmärchen einen wichtigen Bestandteil der deutschen Nationalliteratur. Wilhelm Hauff wurde 1802 in Stuttgart geboren. Nach seinem Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen arbeitete er als Hauslehrer bei Ernst Eugen Freiherr von Hügel, wo er auch auf die Bitte der Hausherrin hin, die Märchen, die er ihr und den Kindern erzählte, aufschrieb und veröffentlichte. Später wurde er Redakteur des Cottaschen "Morgenblattes für gebildete Stände". Hauff starb mit 24 Jahren infolge eines Nervenfiebers. Sein Grab befindet sich auf dem Hoppenlau-Friedhof in Stuttgart. Im Gedenken an den Schriftsteller wird der Wilhelm-Hauff-Preis zur Förderung von Kinder- und Jugendliteratur vergeben.

 

22. Woche: Edward George Earle Bulwer (1803-1873)

Edward Bulwer, berühmter Epiker des viktorianischen England, war einer der beliebtesten Schriftsteller seiner Zeit. "Es gehört zum guten Tone, es ist eine Lebensfrage für uns, einen neuen Bulwer`schen Roman gelesen zu haben […] Man hat sich freilich theilsweise gelangweilt, aber die Langeweile trägt ein Deutscher schon, daran ist er von Kindesbeinen an gewöhnt." schreibt die "Zeitung für die Elegante Welt" 1838. 1840 kaufte der Verleger Heinrich Erhard den Verlag Schumann und damit auch die Übersetzungen von Bulwers Werken auf und ließ alle Werke des Schriftstellers trotz großer Konkurrenz von den hervorragenden Übersetzern Friedrich Notter und Gustav Pfizer ins Deutsche übersetzen. Jedes Werk, das Bulwer schrieb, wurde unverzüglich übersetzt, und in den sechziger Jahren war die Metzlersche Bulwerausgabe die einzig vollständige auf dem Markt. Zu den bekanntesten Werken gehören der historische Roman "Die letzten Tage von Pompeji" (Metzler, 1834) oder die Bühnenstücke "The Lady of Lions" (1838) und "Money" (1840).

 

23. Woche: Frauenzeitschrift

VOGUE, ELLE, FÜR SIE, AMICA - wenn wir an Frauenzeitschriften denken, fällt uns sicherlich nicht der Metzler Verlag ein. Der Verlagsleiter Adolf Bonz hatte sich 1852 jedoch entschlossen, eine Zeitschrift für eine neue Zielgruppe - nämlich die Frauen - herauszugeben: die "Frauenzeitung für Hauswesen, weibliche Arbeiten und Moden. Mit dem Unterhaltungsblatt Salon". "Wir beginnen mit der ersten Nummer der Frauen=Zeitung eine Zeitschrift, deren Bestimmung es ist, sich auf dem Boden zu bewegen, der der weiblichen Welt eigenthümlich ist und vorzugsweise angehört. (…) Zunächst für den deutschen Mittelstand bestimmt, wird die Frauen=Zeitung nicht nur das ganze Gebiet der weiblichen Arbeiten und Moden, sondern auch und insbesondere das deutsche Hauswesen in allen seinen Zweigen umfassen", hieß es im Vorwort der ersten Ausgabe. Die Zeitschrift war eine Synthese aus Modejournal und Ratgeberzeitschrift; neben Muster- und Modellblättern für Kleider fanden sich auch Anweisungen zum Anfertigen von Arbeitskörben, Visitenkarten-Säckchen oder gehäkelten Geldbörsen. In der belletristischen Beilage "Salon", welcher Bonz besondere Aufmerksamkeit widmete, erschienen Gedichte von Eduard Mörike, Ottilie Wildermuth oder Theodor Mundt. Über fünfzehn Jahre florierte die Zeitschrift, wurde aber nach drastischem Absatzrückgang 1869 verkauft.

 

24. Woche: Stuttgarter Buchmesse

"Nach dem Weltkrieg hatte der Stuttgarter Verlag eine richtige Büchermesse eingerichtet, die allmählich den größeren Teil des südwestdeutschen Verlages umfaßte. Als Lokal konnte man die schönen Räume des Handelshofs, des ehemaligen Kronprinzenpalastes, benutzen, dessen Lage am Schlossplatz für Ausstellungszwecke besonders geeignet war. Die Büchermesse war in erster Linie für die Sortimenter bestimmt, die sich dort die Verlagsneuheiten ansehen konnten. Aber auch das Publikum war zugelassen, wenn auch kein Verkauf an Ort und Stelle stattfand." ("Börsenblatt" vom 29. November 1927)

 

25. Woche: Drittes Reich

Die Reaktion der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft auf Hitlers Machtergreifung war eindeutig: Die Germanistik empfing den Nationalsozialismus 1933/34 mit Begeisterung. Nach dem Ersten Weltkrieg sah sie sich als Hüterin des deutschen Geistes besonders gefordert. Auch im Programm des Metzler Verlags waren solche Strömungen erkennbar, und mit besonderer Deutlichkeit zeigt sich diese verhängnisvolle Entwicklung an Büchern wie "Die deutsche Dichtung der Gegenwart" (1931) von Hans Naumann. Hans Naumann ist auch durch seine Rede bei der nationalsozialistischen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 in Bonn bekannt geworden. Die Hinwendung zum Nationalsozialismus spiegelte sich auch im Namenswechsel der Zeitschrift "Euphorion" wider, die in "Dichtung und Volkstum" umbenannt wurde. Um die Gleichschaltung des Metzler Verlages zu demonstrieren, wurde Arno Mulots "Deutsche Dichtung unserer Zeit" in fünf Bänden veröffentlicht; behandelt wurden das Bauerntum, die Soldaten, die Arbeiter, das Reich sowie Welt- und Gottschau in der deutschen Dichtung unserer Zeit. Mulot hatte sich sofort nach der Machtergreifung Hitlers begeistert zu "Mein Kampf" geäußert. Des Weiteren passte der Verlag sein Programm den Wünschen des Nationalsozialismus an; zum Beispiel verzichtete Alfred Druckenmüller auf Schulbücher, die im Dritten Reich besonders strengen Anforderungen unterlagen. Unveränderten Umfang zeigte die Abteilunge Geodäsie, Mathematik und
Technik, denn diese Gebiete waren nicht nur ideologisch unverfänglich, sondern sogar für militärische Bedürfnisse des Reiches höchst erwünscht.

 

26. Woche: C. E. Poeschel und Metzler

Der C. E. Poeschel Verlag ist einer der wenigen betriebswirtschaftlichen Verlage, die das Werden der Betriebswirtschaftslehre fast von ihren Anfängen an bis in die Gegenwart begleitet haben. Er wurde von Carl Ernst Poeschel 1902 als Verlag für kaufmännische Literatur begründet und seit 1919 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Dr. Alfred Druckenmüller weitergeführt. Das Gesamtunternehmen bestand in dieser Zeit aus der J. B. Metzlerschen Verlagsbuchhandlung (1908 von Dr. Druckenmüller übernommen), dem Poeschel Verlag und dem Druckereibetrieb, dem der Bruder Eugen Druckenmüller vorstand. Nach der Bombardierung des Verlagshauses im Oktober 1943 konnten die seit 1948 auch juristisch zu einer Firma verschmolzenen Verlage J. B. Metzler und C. E. Poeschel im November 1950 ein eigenes Haus beziehen (Stuttgart, Kernerstr. 43). Mit der von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck - seit 1991 im Besitz des C. E. Poeschel Verlages - vollzogenen Fusion wurden der 1934 gegründete Schäffer-Verlag für Wirtschaft und Steuern mit dem Programmschwerpunkt Steuerrechtliche Literatur und der Carl Ernst Poeschel Verlag mit den Schwerpunkten Betriebswirtschaft, Finanzwirtschaft, Bankwesen und Management-Literatur in Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft Steuern Recht GmbH umgetauft. Auch die Metzlersche Verlagsbuchhandlung gehörte seit 1991 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

 

27. Woche: 1943 - Das Jahr der Zerstörung

Alfred Druckenmüller entschloss sich erst im Herbst 1943, als die Luftangriffe auf Stuttgart immer häufiger und schwerer wurden, die Produktion und die Bestände zu verlagern. Leider gelang die Sicherung der Metzler-Bestände nicht mehr: In der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 griffen britische und amerikanische Bomberverbände Stuttgart an, das Verlagshaus in der Ernst-Weinstein-Straße wurde getroffen und brannte bis zum Kellergeschoss aus. Archivalien, Briefwechsel, Manuskripte, Produktionsunterlagen, halbfertige Bücher und das Lager wurden vernichtet. Mit einigen Angestellten siedelte Druckenmüller nach Bad Waldsee über und versuchte dort, die Produktion in kleinem Rahmen fortzuführen. Der Neuaufbau nach dem Krieg gestaltete sich sehr schwierig; es herrschte Papierknappheit, und ständig waren Genehmigungen von den Behörden zu beantragen. An einer entlegenen Stelle Stuttgarts wurde ein längst vergessenes Papierlager mit Papier für ehemalige Benzingutscheine entdeckt und genutzt. Nacht- und Nebelaktionen beim Transport bedruckter Rohbogen, die als "wertloses Papier" deklariert wurden, gelangten über die Zonengrenzen zu Buchbinder oder Buchlager.

 

28. Woche: Schulbücher

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Schulbuchbereich zu einer wichtigen Säule des Verlages. Publiziert wurden Bücher für Elementarschulen und höhere Schulen zu Didaktik und Pädagogik, einschließlich Sonderpädagogik. Aber erst 1948 kam es mit dem Erscheinen der ersten Auflage der Oberstufenbiologie von Hermann Linder zum Durchbruch. Das kontinuierlich erfolgreiche Biologiebuch Linder, das 1989 in der zwanzigsten Auflage erschien, und das Musikbuch "Um uns Musik" waren die bekanntesten Schulbücher des Metzler Verlages.
Erst mit dem Entstehen eines selbständigen Schulbuchlektorates 1969 wurde das Programm ausgeweitet: Zu den bereits vertretenen Fächern Biologie, Musik und Politische Bildung gesellten sich weitere Schulfächer hinzu. Dazu kamen Lehrerhandbücher, Schallplatten und weitere Unterrichtsmaterialien. 1979 wurden die kompletten Verlagsprogramme und der Buchbestand des Pro-Schule-Verlags und des Schulverlags Vieweg erworben. 1992 wurde im Zuge der Fusion Metzler Schulbuch von Schroedel aufgekauft.

 

29. Woche: Bildungspolitik

"Multikulturelle Gesellschaft - Multikulturelle Erziehung" (Nitschke, 1982), "Elternmitwirkung in der Schule" (Marz / Zubke, 1981), "Schule in der Demokratie - Demokratie in der Schule" (Roloff, 1979), "Horizonte der Erziehung. Zu aktuellen Problemen von Bildung, Erziehung und Unterricht" (Groth, 1981) - all dies sind aktuelle Themen, die nicht nur seit dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei der PISA-Studie diskutiert werden. Der Metzler Verlag veröffentlichte nicht nur Schulbücher, auch Literatur zur Bildungspolitik hatte einen wichtigen Stellenwert. Bildungspolitische Fragen waren jedoch ebenso relevant wie die politische Bildung in der Schule; davon zeugen Titel wie "Politische Bildung in den Fächern der Schule" (Sander, 1985), "Zum aktuellen Stand der Theorie und Didaktik der politischen Bildung" (Fischer, 1986) oder "Europäische Politik - ein Problemaufriß" (Sander, 1986). Ziel war es, Verständnis für politische Sachverhalte bei den Schülern zu fördern, demokratisches Bewusstsein zu entwickeln und zu politischer Mitarbeit zu ermutigen.

 

30. Woche: Kostbare Bibelausgabe von 1704

Eines der kostbarsten Werke des Verlages ist die 1704 erschienene, 2000 Seiten umfassende Bibel. Mit einem prächtigen Frontispiz versehen, umfasste sie zehn ganzseitige Porträtkupfer, drei Landkarten und mehrere Zwischentitel. Diese Bibelausgabe war für württembergische Klosterschulen vorgesehen. Ein solcher Aufwand war auf dem deutschen Büchermarkt höchst ungewöhnlich, denn von der Cansteinischen Bibelanstalt, die nach 1710 massenhaft Volksbibeln verbreitete, war eine Zweiteilung der Bibeleditionen je nach intendiertem Publikum gebräuchlich: entweder aufwendig gedruckte, mit kostbarem Buchschmuck versehene Ausgaben für das begüterte und gelehrte Publikum oder Editionen für minderbemittelte Schichten und den Schulgebrauch.

 

31. Woche: Kindler - Weltliteratur im Lexikon

Man hört einen Buchtitel und kann sich nicht mehr genau an den Inhalt des Buches erinnern, man möchte ins Theater und würde gerne schnell etwas über das jeweilige Stück erfahren - wo kann man sich gezielt und zuverlässig informieren? Im "Kindler Literatur-Lexikon", dem bisher größten Werklexikon, werden nicht die Schriftsteller, sondern deren einzelne Werke lexikographisch behandelt. Die Artikel sind unter ihrem Autor jeweils in chronologischer Reihenfolge aufgeführt und informieren über Entstehungs- und Editionsgeschichte, Stellung im Gesamtwerk, Inhalt, formale und thematische Eigenschaften, Interpretation und Rezeption. Es folgen Hinweise auf Ausgaben, Übersetzung, gegebenenfalls Verfilmung und Vertonung sowie eine auf den neuesten Stand der Forschung gebrachte ausgewählte Übersicht über die Sekundärliteratur. Der Begriff "Literatur" ist sehr weit gefasst: Es finden sich
neben Schriftstellern wie Goethe und Grass auch Philosophen wie Adorno und Jaspers, Psychologen wie Adler und Piaget oder Staatstheoretiker wie Bodin und Harrington. Es ist ein unentbehrliches Arbeitsinstrument für jeden, der sich mit Literatur- und Kulturgeschichte befasst. Die zweite Auflage (1988-1992) von "Kindlers Literaturlexikon" beruht auf dem 1965-1974 erschienenen siebenbändigen Lexikon, welches seinerseits auf Bompianis "Dizionario delle Opere di tutti i Tempi e di tutte le Letterature" fußt. Im Herbst 2009 wird eine dritte, überarbeitete Auflage von "Kindlers Literaturlexikon" erscheinen. Das neue Lexikon wird Werk- und Autorenlexikon zugleich sein, da es biographische Informationen zu jedem Autor beinhalten wird. Zudem werden mehr Autorinnen und Autoren aufgenommen, die nach 1950 und 1960 geboren wurden. Die bisher in alphabetischer Reihenfolge aufgeführten Werke, werden in chronologischer Abfolge dargestellt werden.

 

32. Woche: Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar

1998 wurde der 1624 gegründete Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar GmbH & Co. KG als 100-prozentige Tochter vom Metzler Verlag übernommen. In diesem Verlag erschienen unter anderem die historisch-kritischen Werkausgaben von Luther, Goethe, Schiller und Herder. Martin Luthers Gesamtwerk wurde in 120 Bänden in einer Sonderedition der kritischen Weimarer Gesamtausgabe im Böhlau Verlag herausgegeben und gehörte zu den umfassendsten Hinterlassenschaften eines einzelnen Denkers. Die geistige Kraft des Reformators, seine geschichtliche Verortung an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit wirkte in verschiedene Lebensbereiche hinein und wurde in diesem Klassiker des Protestantismus dokumentiert. Von großer wissenschaftlicher Bedeutung war außerdem die Weimarer Ausgabe von Goethes Werken, auch als "Sophienausgabe" bekannt, da sie zwischen 1887 und 1919 vom Verlag Hermann Böhlau im Auftrag der Großherzogin Sophie von Sachsen herausgegeben wurde. Die Werkausgabe besteht aus 143 Bänden, die sich in folgende Abteilungen gliedern: literarische Werke, naturwissenschaftliche Schriften, Tagebücher, Briefe.

 

33. Woche: Germania und Euphorion

Für das erste Heft der "Germania. Vierteljahresschrift für deutsche Alterthumskunde", herausgegeben von Franz Pfeiffer 1856, schrieben u.a. Ludwig Uhland, Jacob Grimm und Friedrich Zarncke. Die Zeitschrift erwies sich als ein sehr teures Verlagsobjekt, welches aufgrund hoher Herstellungs- und Setzkosten bald schon eingestellt werden musste. So war die "Germania" eine Vorgängerin der von 1926 bis 1940 bei Metzler erschienenen Zeitschrift "Euphorion" und der seit 1948 bei Metzler erscheinenden "Deutschen Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte" (DVjs), der führenden Fachzeitschrift der deutschsprachigen Germanistik. Seit ihrer ersten Ausgabe im Jahre 1923 hat die DVjs die Entwicklung des Faches maßgeblich mitgeprägt. Die vier Hefte pro Jahr bieten fächerübergreifende Beiträge aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Philosophie und Kulturgeschichte. Sie spiegeln deren aktuelle Tendenzen wider und sind höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen verpflichtet. Englische abstracts erleich tern den Zugang im interkulturellen Gespräch.

 

34. Woche: Enzyklopädie der Neuzeit - ein Gemeinschaftsunternehmen vom Kulturwissenschaftlichen Institut im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen und dem Metzler Verlag.

Lebensformen und sozialer Wandel, globale Interaktion, Literatur, Kunst und Musik, Umwelt und technischer Wandel - das sind einige der Schwerpunkte der "Enzyklopädie der Neuzeit". Als Fortsetzung der erfolgreich abgeschlossenen Enzyklopädien "Der Neue Pauly" und "Lexikon des Mittelalters" umfasst und erschließt sie vier Jahrhunderte (1450-1850) in 16 Bänden, wobei sie als einzige Großenzyklopädie die Frühe Neuzeit (bis etwa 1750) und die Revolutionäre Neuzeit (bis etwas 1850) als durchgehende Entwicklungen erfasst und Bezüge zur Moderne zieht. Die Enzyklopädie setzt sich jedoch nicht nur aus Fachenzyklopädien zusammen, sondern betont die übergreifenden Momente eines kulturgeschichtlichen Zusammenhangs aller Entwicklungen, Lebensformen und Erkenntnisrichtungen der Zeit und ist das größte interdisziplinäre Publikationsprojekt der deutschen Frühneuzeitforschung. Im Vorwort erläutert der Herausgeber Friedrich Jäger die beiden Zäsurphasen der Neuzeit: von der Ausbildung des frühmodernen Staats, der Expansion europäischer Mächte in andere Teile der Welt, der Erfindung des Buchdrucks, dem Aufstieg der Wissenschaften und bürgerlichen Berufsgruppen, etc. in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zum Durchbruch der Industriellen Revolution, des Kapitalismus, der Klassenbildung und Massenparteien, bis zur Verschärfung der Nationalitätenkonflikte und zur erneuten Beschleunigung des Wandels in Kultur und Gesellschaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Aktueller Wissenschaftsstand wird auf verständliche Weise in 4.000 Artikeln vermittelt. Die komplette Ausgabe wird bis November 2012 in 16 Bänden vorliegen.

 

35. Woche: Literaturgeschichten

Was bezeichnet der Begriff "Kahlschlag" in der Literatur? Gehörten Stein, Pound und Elliot zur amerikanischen Avantgarde in Europa? Was zeichnet die anglokanadische Kolonialliteratur aus? … Auf die "Deutsche Literaturgeschichte" von Wolfgang Beutin (1979), die mittlerweile in der sechsten Auflage erschienen ist, folgten weitere Literaturgeschichten und mittlerweile gibt es derer dreizehn: eine amerikanische, chinesische, deutsche, englische, französische, italienische, kanadische, lateinamerikanische, niederländische, russische, schweizer, skandinavische und eine spanische. In lebendiger und unterhaltsamer Sprache geschrieben, beschreiben die Bände Epochen, Gattungen, Autoren und ihre wichtigsten Werke und stellen Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zu Geschichte, Kunst und Alltag her.

 

36. Woche: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie von Jürgen Mittelstraß

Die "Enzyklopädie Philosophie- und Wissenschaftstheorie", herausgegeben von Jürgen Mittelstraß, ist das größte allgemeine Nachschlagewerk zur Philosophie im deutschsprachigen Raum, die überarbeitete und erweiterte Auflage der von 1980 bis 1996 erschienenen vierbändigen "Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie". Sie umfasst in Sach- und Personenartikeln nicht nur den klassischen Bestand des philosophischen Wissens, sondern auch die neuere Entwicklung der Philosophie, insbesondere in den Bereichen Logik, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie sowie Sprachphilosophie. Zugleich finden Grundlagenreflexionen in den Wissenschaften und deren Geschichte ausführliche Berücksichtigung.
Mit annährend 4 000 Stichwörtern verbindet die Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie in systematischer und historischer Hinsicht die Vorzüge eines Wörterbuchs philosophischer Begriffe mit den Vorzügen eines Philosophenlexikons. Sie wird bis September 2009 in acht Bänden vorliegen. Professor Jürgen Mittelstraß lehrt Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Konstanz und erhielt 1989 den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

 

37. Woche: Studienliteratur

"Novelle" von Hugo Aust, "Literatur des Expressionismus" von Thomas Anz oder "Grundbegriffe der Literaturtheorie" von Ansgar Nünning - jeder Student der Geisteswissenschaften lernt während seines Studiums Werke aus der Sammlung Metzler kennen und schätzen. Ziel der Sammlung Metzler ist es, zu relevanten Themen im Bereich der Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaften sowie der Philosophie anschauliche Einführungen zu liefern. Die Reihe startete 1961 mit Raabes "Einführung in die Bücherkunde", 1997 erschien mit Kammers "Bit um Bit" der 300. Band. Mittlerweile umfasst die Sammlung Metzler 352 Bände. Einen Schwerpunkt des Verlagsprogramms bildet die Studienliteratur, welche auf die Bedürfnisse der Studenten zugeschnitten ist und zu welcher neben der Sammlung Metzler Literaturgeschichten, Lexika, Handbücher, zahlreiche Monographien und mittlerweile die Reihe Metzler kompakt, eine Sammlung von Taschenlexika zur antiken Mythologie, deutschsprachigen Autoren, Komponisten, Theologen Philosophen, u.v.m. gehören.

 

38. Woche: Zeitschriften

Drei wissenschaftlich sehr bedeutende Zeitschriften prägen das Verlagsprogramm: die "Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik" (LiLi), die "Internationale Zeitschrift für Philosophie" sowie die "Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte" (DVjs). Die führende Fachzeitschrift der deutschsprachigen Germanistik, die "Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte" (DVjs), wird seit 1923 bei Metzler publiziert. In loser Folge erscheinen thematische Sonderhefte sowie in Verbindung mit der "Deutschen Forschungsgemeinschaft" zahlreiche Sonderbände. Mit interdisziplinären Beiträgen aus Literaturwissenschaft, Philosophie und Kulturgeschichte ist sie eine unentbehrliche Instanz in der Wissenschaft geworden. LiLi erscheint seit 1971 und liefert in Form von Themenheften Beiträge aus der Linguistik sowie der Literatur- und Medienwissenschaft. Fächerübergreifende Beiträge werden auch in der "Internationalen Zeitschrift für Philosophie", in welcher es immer einen Themenschwerpunkt gibt, veröffentlicht.

 

39. Woche: Lesestoff für Kinogänger - Filmgeschichten- und lexika

"Ähnlich wie in Berlin entwickelt sich auch in anderen Städten die Kinolandschaft. In München zeigt der Schausteller Carl Gabriel am 11. Juli 1896 in seinem Panoptikum erstmals "Lebende Bilder". Zehn Jahre später, 1906, eröffnet das erste ortsfeste Münchner Kino: ›Weltkinematograph. Theater lebender Photograpien‹. (Jacobsen / Kaes / Prinzler, "Geschichte des deutschen Films", 2004) Filmgeschichte, Filmklassiker, Filmmusik und mehr zum Thema Film bieten die Filmgeschichten und -lexika des Metzler Verlages wie das in zweiter Auflage erschienene Standardwerk "Geschichte des
deutschen Films" von Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes und Hans Helmut Prinzler, das den Zeitraum von 1895 bis 2004 behandelt. Der erste Teil des ansprechend bebilderten Buches enthält einen Abriss über die wichtigsten filmgeschichtlichen Epochen, wobei die Schwerpunkte auf den Zwanziger Jahren, als der deutsche Film erstmals Weltgeltung errang, und auf der Zeit nach 1945 mit der Entwicklung hin zum "Autorenfilm", liegen. Im zweiten Teil geht es um Genres, Ideen, Motive, um die politische Dimension des Films und das Publikum. Weiteres Standardwerk ist das "Metzler Film Lexikon" von Michael Töteberg mit Informationen zu Entstehungs- und Produktionsbedingungen von 500 Filmklassikern, ihrer Situierung im Rahmen des Filmschaffens des Regisseurs sowie Reaktionen von Presse und Publikum zu unterschiedlichen Zeiten der Rezeption des Films. Lesenswert ist neben weiteren Werken aus der Welt des Films auch Karl Heinz Dettkes "Kinoorgeln und Kinomusik", ein Beitrag zur musikalischen Praxis im Filmtheater von den Anfängen bis in die fünfziger Jahre.

 

40. Woche: Musik

Was ist eine Motette? Was zeichnet einen gregorianischen Choral aus? Wer komponierte "Die Entführung aus dem Serail"? Was sind Idiophone? Warum gehört die Querflöte zu den Holzblasinstrumenten? … Die Welt der Musik ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Verlagsprogramms. Neben Werken zur Barockmusik, Musikinstrumentenkunde, der europäischen Musikgeschichte oder dem Rough Guide Rock ist auch das größte enzyklopädische Nachschlagewerk der Musik in 28 Bänden, "Die Musik in Geschichte und Gegenwart", bei Metzler in Zusammenarbeit mit dem Bärenreiter Verlag erschienen. Die Enzyklopädie liefert Antworten zur allgemeinen Musikgeschichte, vergleichenden Musikforschung, Musikinstrumentenkunde, zu Musikerbiographien, Formenlehre und vielen weiteren Bereichen. In 15 000 Sachartikeln und 18 000 Personenartikeln, zahlreichen Notenbeispielen, Musikhandschriften, Tabellen und Diagrammen wird geballtes Wissen verständlich erläutert. In Kooperation mit dem Bärenreiter Verlag, einem der weltweit größten Verlage für klassische Musik, wurden auch weitere Werke wie "Die Sprache der Musik" von Peter Gülke, der "Barockmusikführer" von Ingeborg Allihn oder das "Handbuch Orgelmusik" von Rudolf Faber und Philip Hartmann herausgegeben.

 

41. Woche: Kinder- und Jugendliteratur

Einen zeitlich großen Rahmen umfasst die Beschäftigung mit Kinder- und Jugendliteratur im Metzler Verlag. Auf das "Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Vom Beginn des Buchdrucks bis 1570" von Theodor Brüggemann, das in 55 Einzelanalysen den zunehmenden Einsatz von Bildern zur Sach- und Sprachbelehrung, die Anpassung der Stoffe an die kindliche Fassungskraft und das deutliche Zurücktreten des Lateinischen dokumentiert, folgten "Handbücher zur Kinder- und Jugendliteratur" von 1570 bis 1900, die einen detaillierten Überblick über die wichtigsten historischen Entwicklungsphasen der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur boten. Ergänzt wurde diese Reihe mit der "Deutsch-jüdischen Kinder- und Jugendliteratur von der Haskala bis 1945" von Zohar Shavit und Hans-Heino Ewers. Diese auf zwei Bände angelegte Bibliographie hebräischer und
deutsch-jüdischer Kinder- und Jugendtexte beinhaltete zahlreiche textgeschichtliche Informationen. Mit den internationalen "Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur" von Bettina Kümmerling-Meibauer wurden berühmte Klassiker aus 65 Ländern vorgestellt und literaturhistorisch eingeordnet. Nils Holgersson, Pinocchio oder Max und Moritz - wer kennt diese Gestalten aus der Kindheit denn nicht? Aber wie sieht es mit anderen berühmten Figuren wie Papelucho, Celia oder Gian Burrasca aus? In ihrer einmaligen und umfassenden Einführung in die wunderbare Welt kinderliterarischer Meisterwerke erfasste die Autorin den Zeitraum vom frühen 18. Jahrhundert bis zum Beginn der 1990er Jahre und berücksichtigte damit auch die "modernen", nach 1945 entstandenen Kinderbuchklassiker, die ein Drittel des Buches ausmachen. Das Autoren- und Werklexikon ist auch eine Einladung für Erwachsene, verpasstes Leseglück nachzuholen und an die nächste Generation weiterzugeben.

 

42. Woche: Die Horen von Friedrich Schiller

Horchet! horcht dem Sturm der Horen!/ Tönend wird für Geistesohren/ Schon der neue Tag geboren./Felsentore knarren rasselnd,/ Phöbus' Räder rollen prasselnd,/ Welch Getöse bringt das Licht! Faust II Die "Horen", die bedeutendste Zeitschrift der deutschen Klassik und Zeugnis des Gedankenaustauschs der großen Geister der Zeit, wurde im Jahre 2000 im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar in einem originalgetreuen Nachdruck wieder zugänglich gemacht. Diese Zeitschrift, die von 1795 bis 1797 erschien, war das Forum für den literarischen und philosophischen Diskurs der Klassik und das wichtigste Dokument ästhetischer Kultur der Zeit. Die namhaftesten Persönlichkeiten wirkten mit: Neben dem Herausgeber Schiller waren dies Goethe, Herder, Fichte, Hölderlin, Jacobi, Voß, Humboldt, Schlegel, Sophie Mereau und Körner. Man diskutierte über antike und moderne Poesie, und die Autoren veröffentlichten oft auch einzelne Werke, bevor diese in Buchform erschienen, so zum Beispiel Schillers "Über die ästhetischer Erziehung des Menschen" und "Über naive und sentimentalische Dichtung" oder Goethes "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" und "Römische Elegien". Im Begleitband zur Neuausgabe rekonstruiert Rolf Michaelis die Geschichte der "Horen", liefert Informationen zur Entstehungsgeschichte, ein chronologisches Verzeichnis der Beiträge nach Jahrgängen sowie ein alphabetisches Autorenregister.

 

43. Woche: Jahrbücher

Des Weiteren sind die im Metzler Verlag erscheinenden Jahrbücher zu bestimmten Autoren, die den Dichter und seine Zeit behandeln, von wissenschaftlicher Relevanz: seit 1995 erscheint das Heine-Jahrbuch, im Auftrag der 1985 gegründeten Herder-Gesellschaft werden die Herder-Jahrbücher herausgegeben, schon seit 1947 wird das Hölderlin-Jahrbuch publiziert, seit 1990 gibt es das Kleist-Jahrbuch. Außerdem werden Jahrbücher zu bestimmten Sachgebieten herausgegeben: Im Auftrag der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg erscheint das Jahrbuch Musik in Baden-Württemberg, seit 1991 wird Politisches Denken publiziert - Jahrbücher, die sich den elementaren Fragen der Politik widmen. Letztere versammeln Beiträge aus allen Bereichen des politischen Lebens und wenden sich sowohl an Fachwissenschaftler als auch politisch interessierte Bürger.
"Querelles", ein interdisziplinäres Forum zu Frauen- und Geschlechterforschung, veröffentlichte ebenfalls Jahrbücher.

 

44. Woche: Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur

Realismus und Gründerzeit, Naturalismus, Jahrhundertwende, Expressionismus, Weimarer Republik - die Bände der Reihe "Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur von 1848 bis 1933" bieten eine Textbibliothek der literarischen Moderne. Die hier versammelten repräsentativen Texte aus den Bereichen Literaturtheorie, Theorie einzelner Gattungen, Literarkritik, Rezeptionsgeschichte der Literatur des Auslands und des Literaturbetriebs vermitteln dem Leser ein Bild der jeweiligen Epoche bzw. Strömung. Die Auswahl der Textgruppen wird einleitend vorgestellt und literaturgeschichtlich begründet. Die einzelnen Textzeugnisse sind mit ausführlichen Sacherläuterungen und Hinweisen auf wichtige Sekundärliteratur versehen. 1994 erschienen die sechs Bände in Kassette. Nachfolger dieser Reihe sind die "Manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde" (1909-1938) (Metzler, 1995). Im Manifest, dem typischen Genre der Avantgarde, vermittelte diese ihre Ziele. Der Band präsentiert 250 Manifeste und Proklamationen aus fast 20 europäischen Ländern. Die strikt chronologische Anordnung der Manifeste soll Aufklärung geben über Positionen, Innovationen, Wirkungen, Zentren, Schauplätze, Namen, über die Ismen und ihre Abfolge, über nationale Besonderheiten sowie länderübergreifende, das "Projekt Avantgarde" einigende Positionen. Berücksichtigt werden neben der Literatur auch die Bildende Kunst, die Architektur, die Musik, das Theater, der Film sowie die Politik.

 

45. Woche: Druckerei, Schriftgießerei und Stempeldruckerei

Unter Heinrich Erhard bekam der Verlag 1819 eine eigene Druckerei, und in den folgenden Jahren wurde die buchgewerbliche Autarkie des Verlages ausgebaut: 1837 wurden eine eigene Schriftgießerei und Stempelschneiderei, die bald die größte in Stuttgart war, eröffnet. Die Gießerei arbeitete noch im 20. Jahrhundert für den Hausbedarf. Das Metzlersche Unternehmen wurde mehrfach erweitert und hielt seinen hohen Standard über Jahrzehnte hinweg. Es war renommiert für komplizierte Akzidenzaufträge, insbesondere staatliche Papiere in Millionenauflagen wie Obligationen und Papiergeld, aber auch Fahrpläne und Briefmarken. 1851/52 wurden die ersten württembergischen Briefmarken bei Metzler gedruckt. Hauptsächlich wurden die Pressen jedoch für den Bedarf des eigenen Verlages gebraucht, insbesondere für die griechischen und römischen Klassikerausgabe.

 

46. Woche: Heinrich Erhard, der Standespolitiker (1796-1873)

Der Verleger Heinrich Erhard baute nicht nur eine Druckerei, Schriftgießerei und Stempeldruckerei auf, sondern erweiterte auch das Verlagssortiment und machte sich zudem als Standespolitiker verdient: Er widmete sich sowohl den örtlichen Buchhandelsinteressen als auch jenen des Königreiches. Als nach 1840 ein erbitterter Kampf zwischen Stuttgart und anderen süddeutschen Städten um die Anerkennung als Zentralplatz, wo sich die Kommissionslager für den Auslieferungsverkehr (vor allem nach Österreich-Ungarn) befinden sollten, begann, leitete Erhard die langwierigen Verhandlungen. Als Vorsteher des Vereins der Buchhändler zu Stuttgart setzte er sich letztendlich durch. 1843 wurde Erhard für drei Jahre zum Ersten Vorsteher des Börsenvereins
gewählt, die höchste Auszeichnung, die der deutsche Buchhandel zu vergeben hatte. Außerdem setzte sich Erhard für den württembergischen Eisenbahnbau ein und publizierte in der "Schwäbischen Chronik" Artikel zu staatlichen Bahnen und anderen ökonomischen Fragen. 1843 rief er mit Freunden einen privaten Handelsverein ins Leben und wurde nach Gründung der Stuttgarter Handels- und Gewerbekammer 1855 zum Vertreter der Fabrikanten gewählt, zugleich zum Richter am Handelsgericht.

 

47. Woche: Alfred Druckenmüller (1882-1967)

1882, im Jahr des 200-jährigen Jubiläums der J. B. Metzlerschen Buchhandlung, wurde Alfred Druckenmüller in Stuttgart geboren. Um sich mit ganzen Kräften seiner Offizin (alte Bezeichnung für Buchdruckerei) Poeschel & Trepte widmen zu können, verkaufte Carl Ernst Poeschel 1919 seinen Verlag an seinen ehemaligen Volontär Dr. Alfred Druckenmüller. Der Volkswirt Druckenmüller widmete sich daraufhin dem Ausbau des Verlages Poeschel, der bis dahin schon eine Reihe von Standardwerken veröffentlicht hatte. Während zweier Weltkriege lag die Verantwortung für den Verlag in seinen Händen, und ihm ist die Hinwendung zum Schwerpunkt Literaturwissenschaft zu verdanken. Mit zwei Projekten, dem "Goethe-Handbuch" und den "Epochen der Literaturwissenschaft", erlangte der Verlag den Ruf eines literaturwissenschaftlichen Fachverlages. Trotz Weltkrieg, Inflation, Depression und Weltwirtschaftskrise zog der Verlag 1932, anlässlich des 250-jährigen Jubiläums, eine positive Bilanz und Alfred Druckenmüller schrieb: Die 250jährige Geschichte des Hauses Metzler ist auch ein Stück deutscher Geistesgeschichte. Die jetzigen Inhaber der Firma wissen, dass eine solche Tradition verpflichtet. Sie werden an den ihnen gewordenen Aufgaben und den vorgesteckten Zielen unermüdlich weiterarbeiten, Goethes schönes Wort vor Augen: "Der Tag ist grenzenlos lang, wer ihn nur zu schätzen und zu nützen weiß." 1908 erschien Alfred Druckenmüllers Dissertation "Der Buchhandel in Stuttgart, seit Erfindung der Buchdruckerkunst bis zur Gegenwart", eine immer noch sehr geschätzte Arbeit.

 

48. Woche: Umzug in den Tagblatt-Turm

Als Stuttgart am 21. April 1945 von den Alliierten besetzt wurde, war die gesamte Innenstadt ein Trümmerfeld. Mehr als 39.000 Gebäude, das entspricht 58% des Bestandes, waren zerstört. Am 8. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Truppen. Voraussetzung zur Neu- oder Wiedereröffnung eines Verlags oder der Veröffentlichung eines jeden Buches war die ausdrückliche Lizenzierung durch die Besatzungsbehörden. Durch den kriegsbedingten Zuzug ehemals in Leipzig ansässiger Firmen wie Reclam, Thieme, Teubner, Gustav Fischer und Koehler & Volckmar wurde Stuttgart zu einem ausgeprägten Branchenstandort. Laut einer Liste der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart erschienen in diesem Jahr in Stuttgart bereits 63 Bücher und Broschüren aus 19 Verlagen. Der Sitz des Verlags verblieb bis Mitte 1946 in Bad Waldsee. Als Alfred Druckenmüller die Bekanntschaft von Hermann Leins, dem Inhaber der Verlagslizenz Nr. 1 in der Französischen Besatzungszone und einflussreichster Verleger in Tübingen, machte, oblag Leins auch die Treuhänderschaft über die in Stuttgart sitzende Deutsche Verlagsanstalt. Da am Jahresende ein Verkauf des C. E. Poeschel Verlags an die Deutsche Verlagsanstalt am Verbot der amerikanischen Kontrollbehörden scheiterte, bot Leins Druckenmüller seine Beteiligung am Metzler Verlag an. Dieser Vorschlag mündete in einem am 1. Januar 1948 gültig werdenden Gesellschaftervertrag, der in Form
einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung Hermann Leins neben Alfred Druckenmüller als neuen geschäftsführenden Gesellschafter vorsah. Unmittelbares Ergebnis der Bekanntschaft zwischen Druckenmüller und Leins war der Umzug des Verlags in die Räume der Deutschen Verlagsanstalt im Tagblatt-Turm, einem der wenigen intakt gebliebenen Gebäude der Stuttgarter Innenstadt.

 

49. Woche: Hermann Leins (1899-1977)

1948 fand die juristische Verschmelzung der Verlage C. E. Poeschel und J. B. Metzler und der Abschluss eines Gesellschafter-Vertrages mit Alfred Druckenmüller und Hermann Leins als geschäftsführenden Gesellschaftern der GmbH statt. 1949 erwarb Hermann Leins ein ausgebranntes Ruinengrundstück in der Kernerstraße 43 in Stuttgart-Mitte als Privatbesitz, aber der Sandsteinbau aus der Gründerzeit war durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Als im Laufe des Jahres 1950 die Aufbauarbeiten an dem ehemaligen Vierfamilienhaus abgeschlossen wurden, zogen die Verlage C. E. Poeschel, J. B. Metzler mit Metzler Schulbuch sowie der 1946 in Bad Waldsee gegründete Alfred Druckenmüller Verlag aus dem Tagblatt-Turm in das neue Domizil. Während sich Alfred Druckenmüller in erster Linie um die Geschicke des C. E. Poeschel Verlages und seines eigenen, 1946 gegründeten Alfred-Druckenmüller-Verlages kümmerte, war Hermann Leins für die Bereiche Schulbuch und Literaturwissenschaft bei J. B. Metzler zuständig. Hermann Leins wurde am 29. Juni 1965 Alleininhaber und Geschäftsführer von Metzler-Poeschel. Da das Verlagsgebäude in der Stuttgarter Kernerstraße den Platzbedarf nicht mehr erfüllte, zogen die Verlage J. B. Metzler und Schäffer-Poeschel am 10. März 1995 in die Werastraße 21-23 um.

 

50. Woche: Goethe

Goethe - das Universalgenie. Die Beschäftigung mit dem großen Dichter hat einen wichtigen Stellenwert im Verlag. Dies spiegelt sich u.a. in folgenden Werken wider:
- Goethes Tagebücher
In einer historisch-kritischen Ausgabe werden in jeweils zehn Text- und Kommentarbänden erstmals vollständig und quellengetreu Goethes Tagebücher veröffentlicht.
- Briefe an Goethe
Als die Stiftung Weimarer Klassik Goethe- und Schiller-Archiv die gesamte an Goethe gerichtete Korrespondenz herausgab, wurden 19.800 Briefe an Goethe von etwa 3500 Absendern erstmals in Regestform veröffentlicht. Der Leser erhält Angaben über Absender und Datum des jeweiligen Briefes, Hinweise auf Goethes Antwortbrief, auf die Registrierung eingegangener Briefe sowie Nachweise über eventuelle Druckorte, etc.
- Goethe-Handbuch
Alles, was man über Goethe wissen sollte. Julius Zeitler, einem Kunsthistoriker aus Leipzig, gelang es, den Verleger Alfred Druckenmüller von seinem Projekt zu überzeugen, und so erschien 1916 der erste Band des Goethe-Handbuchs, dem 1917 und 1918 zwei weitere Bände folgen sollten. Heute umfasst das Nachschlagewerk fünf Bände und liefert alle erreichbaren Informationen zu Leben und Werk des berühmten Mannes. Es spiegelt den aktuellen Wissensstand wider und reagiert auf jüngste Fragestellungen der Goethe-Forschung. Die ersten drei Bände bieten einen profunden Einblick in das Gesamtwerk Goethes, gegliedert nach den Gattungen Gedichte, Dramen und Prosaschriften. Der vierte Band ist in zwei Teilbänden als enzyklopädisches Handbuch zu Leben und Werk angelegt. Komplettiert wird das Werk durch einen ausführlichen Registerband. Die gebundene Ausgabe ist leider nicht mehr lieferbar. Wir verweisen daher auf die 2004 erschienene kartonierte Sonderausgabe.
- Metzler Goethe Lexikon
War Goethe für die Todesstrafe? Wie war sein Weinkeller beschaffen? Wer waren seine Diener, die er allesamt "Fritz" nannte? Das Goethe Lexikon liefert uns die Antworten zum Leben Goethes und der ihn umgebenden Alltagskultur, zu seinem Werk, seinen Freundschaften, seiner grenzenlosen Neugier und seiner Nachwirkung in die Gegenwart.

 

51. Woche: Die Welt als Bühne - Geschichte des europäischen Theaters

Liebe und Hass, Treue und Verrat, glänzende Heldentaten und abgründige Verbrechen. Ob in der griechischen und römischen Antike, ob im Theater des Mittelalters oder in der Epoche des Barock: Die Bühne hat seit jeher den Menschen in ihren Bann gezogen. Im Spielen und Zuschauen begegnet der Mensch seinen eigenen Wünschen und Obsessionen - die Bühne wird zum Ort seiner Selbsterfahrung. Manfred Brauneck vermittelt die Faszination, die von den Anfängen bis heute vom Theater ausgeht, und zeigt ein übersichtliches und lebendiges Bild der zweitausendfünfhundertjährigen europäischen Theatergeschichte, von der Antike bis zur Gegenwart: "Die Welt als Bühne" (1993-2007). Die Bände zeichnen sich durch Übersichtlichkeit, klare Gliederung und große Stofffülle aus, wobei große Entwicklungslinien durch signifikante Details belegt werden. Eine reiche Illustrierung trägt zu jener Anschaulichkeit bei, die zum Wesen des Theaters gehört.

 

52. Woche: Günther Schweizer (1937-2001)

Am 1. Januar 1969 tritt der Diplomkaufmann Günther Schweizer in die Geschäftsleitung ein. Von 1972 bis 2001 ist Schweizer Geschäftsführer bei Metzler-Poeschel, ab 1982 Gesellschafter. Er engagiert sich zudem ehrenamtlich in Gremien und Verbänden, besonders im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Nach dem Abschluss einer kaufmännischen Lehre und dem Studium der Betriebswirtschaft in Hamburg und München arbeitete Günther Schweizer zunächst als Assistent der Geschäftsführung in führenden Industrieunternehmen. 1969 wurde er Geschäftsführer bei Rainer Wunderlich und der J. B. Metzlerschen Verlagsbuchhandlung und betätigte sich zunehmend als Verleger. Sein
Aufgabengebiet erweiterte sich mit dem Hinzukommen weiterer Verlage - insbesondere nachdem die Verlagsgruppe von Holtzbrinck die Verlage 1991, nach dem Tod von Hermann Leins, übernommen hatte. Viele große Verlagswerke sind mit dem Namen Günther Schweizer verbunden: etwa die Neuausgabe des "Kleinen Pauly", die Übernahme und Weiterführung von Pauly/Wissowa, "Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft" und die "MGG Musik in Geschichte und Gegenwart", die gemeinsam mit dem Bärenreiter Verlag herausgegeben wurde. Früh begann auch die ehrenamtliche Arbeit Günther Schweizers. Von 1979 bis 1990 war er im Vorstand des Landesverbands Baden-Württemberg als Schatzmeister, von 1986 bis 1989 im Vorstand des Verbands der Schulbuchverlage und schließlich für zwei Amtsperioden, von 1992 bis 1998 im Vorstand des Börsenvereins als Schatzmeister tätig. Er gehörte darüber hinaus zahlreichen weiteren Gremien an, wie zum Beispiel dem Aufsichtsrat der Ausstellungs- und Messe-GmbH des Börsenvereins, dem Verwaltungsrat des RZB, dem Aufsichtsrat der BAG etc.

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